112
122
133
144
140
141
1550
2009-01-03 10:40:00
Von Naturkatastrophen verursachte Zerstörungen lassen sich durch gezielte Präventionsmaßnahmen mildern! – Eine Lanze des UN-Generalsekreträrs Ban Ki-moon für den Selbstschutz!
„In letzter Zeit wird uns immer häufiger vor Augen geführt, welches Zerstörungspotenzial der Natur innewohnt. Bei dem Zyklon „Nargis" in Myanmar und dem Erdbeben in der chinesischen Provinz Sichuan wurden hunderttausende Menschen getötet und Millionen obdachlos.
Menschen hilfloser Spielball der Natur? – „Tragischer Irrtum!“
Wenn eine Katastrophe auf die andere folgt, liegt der Schluss nahe, die Menschheit sei ein hilfloser Spielball der Natur. Dies wäre jedoch ein tragischer Irrtum. Unsere Fähigkeit, Naturkatastrophen zu bewältigen, ist nämlich viel größer, als uns zunächst bewusst ist.“, schrieb kürzlich UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon in einem Kommentar der Tageszeitung „Der Standard“. Er appellierte dabei zu koordinierten weltweiten Aktionen.
„Es liegt an uns, wie wir reagieren!“
Beinahe so gefährlich wie die eigentlichen Zyklone oder Erdbeben ist der Mythos, dass die von ihnen verursachten Zerstörungen und Todesopfer unvermeidbar und eine zwangsläufige Folge dieser Naturereignisse seien. Es stimmt zwar, dass wir die Ereignisse selbst nicht verhindern können, doch liegt es an uns, zu entscheiden, wie wir darauf reagieren, und durch unser Handeln können wir die Katastrophe entweder verschlimmern oder aber ihre Folgen mildern.
Prävention – Unbequeme Wahrheit
Der Unterschied besteht in der Vorbereitung und in der Prävention. Dies mag eine unbequeme Wahrheit sein, weil dabei Vorsorge und Vorausplanung im Mittelpunkt stehen und nicht nur die Nothilfe im tatsächlichen Krisenfall. Experten für die Verringerung des Katastrophenrisikos sind darauf spezialisiert, die Gefährdung der Menschheit durch Katastrophen zu vermindern. Wenn im Voraus die richtigen Maßnahmen getroffen werden, können sie Menschenleben und Existenzgrundlagen retten, die sonst verlorengingen.
Keinerlei Vorkehrungen in Myanmar
In Bangladesch z. B. kamen 1970 bei einem Zyklon bis zu einer halben Million Menschen ums Leben. Nachdem ein erneuter Zyklon 1991 weitere 140.000 Menschenleben gefordert hatte, schuf Bangladesch ein weitreichendes Frühwarnsystem in Verbindung mit robusten, gemeinwesengestützten Programmen für die Vorbereitung auf Katastrophenfälle, Evakuierungsmaßnahmen und Folgenbegrenzung. Als 2007 neuerlich ein Zyklon wütete, waren nicht hunderttausende von Menschenleben, sondern kaum mehr als 4000 zu beklagen. In Myanmar gab es keine derartigen Vorkehrungen.
Vorausschauend investieren
Andere Entwicklungsländer ergreifen ähnliche Maßnahmen:
Risiko Klimawandel
All dies ist heute wichtiger als je zuvor. Durch den Klimawandel werden wetterbedingte Katastrophen zunehmen. Durch den Verlust von Wohnraum, Arbeitsplätzen und Bildungschancen geraten Menschen in die Armutsfalle.
Alle Länder, von den ärmsten zu den reichsten, sollten die Minderung von Katastrophenrisiken zu einem Teil ihrer Entwicklungs- und Armutsbekämpfungspläne machen. Umfassende Katastrophenschutzvorkehrungen beim Bau neuer Krankenhäuser und Schulen beispielsweise würden die Kosten nur um etwa vier Prozent erhöhen.
Koordiniertes weltweites Vorgehen
Es gibt viele Möglichkeiten für ein koordiniertes weltweites Vorgehen. Die internationalen Geber sollten die Treuhandfonds unterstützen, die unter anderem von der Weltbank und den Vereinten Nationen eingerichtet wurden, um armen Ländern bei der Bewältigung von Naturkatastrophen zu helfen.
Der 2005 nach dem Tsunami ausgehandelte Hyogo-Rahmenaktionsplan setzt Prioritäten für die Minderung des Katastrophenrisikos und enthält eine Aufforderung an die internationale Gemeinschaft, praktische Maßnahmen zu ergreifen, um die Sicherheit der Gemeinwesen zu erhöhen.
Dazu gehören:
„...es muss nicht so sein!“
„Zu Beginn der jährlichen Hurrikansaison hoffen wir alle, dass sich keine Katastrophe ereignet. Wir wissen auch, dass sich diese Hoffnung nicht erfüllen wird, und wieder werden wir die Todesopfer zählen und den Überlebenden zu Hilfe eilen. Wir sollten uns jedoch daran erinnern, dass es nicht so sein muss“, appellierte der UN-Generalsekretär an die internationale Staatengemeinschaft. (Quelle: „Der Standard“, Printausgabe, 28.Juli 2008)